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Werbung heisst noch Reklame

Als Werbung noch Reklame hieß, war das Bild dieser Verkaufsstrategie eher negativ, was vor allem durch die plötzlich entstehende Flut an Anzeigen und Schildern verursacht wurde. Die Definition aus Meyers Konversationslexikon verdeutlicht die gemischten Gefühle gegenüber dem neuen und immer offensiver werdenden Trend:
„Trotz der Ausschreitung, welche sich in neuerer Zeit das Reklamewesen gestattet, und des Vorschubs, den es dem Schwindel leistete, ist es ein bedeutsames Kulturmoment unsrer Zeit, eine Macht, welche sowohl segenreich als auch verhängnisvoll auf den modernen Handel und Verkehr einwirkt (…).“

Nutzen verkauft Produkte
Lingner wird zu Recht als einer der Wegbereiter der deutschen Werbung betrachtet, dabei war sein vermeintliches Geheimnis denkbar simpel. Denn anders als zu seiner Zeit üblich, zählte er den potenziellen Konsumenten nicht lediglich die technischen Daten oder Bestandteile seines Produktes auf, sondern er präsentierte dem Kunden einen Nutzen. Ohne viele Worte wurde auf den Punkt gebracht, was von dem Produkt zu erwarten ist und was es leisten kann. Dabei setzte er auf großformatige Anzeigen mit bildlicher Darstellung, die jedem Leser unweigerlich ins Auge fielen. Nachdem allen der Nutzen seines Mundwassers klar war, setzte Lingner auf die Suggestion. Ein bekanntes Beispiel ist die „Odol“-Flasche im Meer, die für die Frische im Mund steht.

IHA
Die „I. Internationale Hygiene-Ausstellung“, die vom 6. Mai bis zum 31. Oktober 1911 in Dresden stattfand, war mit über fünf Millionen Gästen die besucherreichste Ausstellung der Stadt bis heute. Möglich war dieser unglaubliche Erfolg durch eine konsequente und strategisch durchdachte Reklame. Welcher Aufwand hierfür betrieben wurde, wird allein an dem Plakatwettbewerb deutlich: Über 530 eingereichte Arbeiten, von denen allerdings keine den ersten Platz belegte. Letztendlich soll Lingner selbst die Vision für das Plakat gehabt haben. Das weltbekannte Auge am Sternenhimmel sei ihm im Schlaf erschienen und Franz von Stuck hat es anhand seiner Schilderungen gestaltet.